Die verschiedenen Aquarell Grundtechniken:
1. "Nass in Nass" :
Für die Darstellung des Hintergrundes (z.B.. Wolken) und für eine "verwaschene"
Darstellungsart kann man die "Nass in Nass"-Technik anwenden. Dabei wird die wässrige
Farblösung auf das nasse (nicht tropfnasse!), oder mehr oder weniger feuchte Papier
aufgetragen. Dadurch entstehen unscharfe, "verschwommene" Farbstrukturen ohne scharfe
Abgrenzung. Hier hat man den wenigsten Einfluss auf das spätere (trockene) Aussehen
des Bildes. Jedoch ist es sehr faszinierend, welche Formen und Strukturen hier entstehen.
Ein wichtiger Vorteil der Nass-Nass - Technik ist, daß sich das Papier weniger
stark wellt, da alle Papierfasern gleichmäßig gewässert und gedehnt werden.
So geht man vor:
Bei geleimten Blöcken macht man nur die Oberseite des Blattes mit einem Flachpinsel
nass, streift das Wasser mit dem ausgequetschten Pinsel nochmals ab und beginnt
mit dem Farbauftrag.
Einzelblätter sind hier empfehlenswert. Diese kann man beidseitig wässern oder sogar
im Wasser tauchen und je nach Papiersorte und Qualität mehr oder weniger lange weichen
lassen. Das gewässerte Blatt am Besten auf eine helle Kunststoffunterlage legen,
so tropft das Wasser gut ab. Nun beginnt man z.B. den Himmel zu malen, indem man
einfach die späteren Wolken beim Auftragen der blauen Farbe auslässt. Es entstehen
so feine, zarte Wolkenformationen. Durch mehr oder weniger kräftige oder wässrige
Farbe und je nach Feuchtigkeitsgrad des Papiers lässt sich das spätere Ergebnis
etwas besser vorbestimmen; jedoch bleibt immer noch jener überraschende Zufallseffekt
erhalten.
Nun kann man im Trocknungsprozess mitlaufend zunächst mit einem etwas kräftigeren,
aber immer noch dezenten Farbauftrag z.B. die Berge im Hintergrund "modellieren".
mit immer kräftigeren Farben geht man nun immer weiter in den Vordergrund und malt
so mit immer "trockner" Farbe z.B. die Bäume, Felsen, Steine und kommt so
im fließenden Übergang zur nächsten Technik .
2. "Trocken auf Nass" :
Wird mit "trockenem" Pinsel auf nasses Papier gemalt, ist der "Verwischeffekt""
nicht ganz so stark. Hier braucht man sehr viel Feingefühl und Übung für den Trocknungsgrad
des Papiers und für die Feuchtigkeit der Farbe, denn "Trocken" heißt hier "Farbe
mit wenig Wasser". Bestimmte Effekte wie z.B. scharf abgegrenzte erdige, felsige
Strukturen mit einem sanften, gleichfarbigen Hintergrund entstehen mit "sehr trockener"
Farbe auf "nassem " Papier. Aquarell ist also eine sehr experimentierfreudige Art
des Malens, die sehr viel Spielraum für das Erkunden "eigener Techniken" lässt.
3. "Nass auf Trocken" :
"Nass auf Trocken", nennt man die Technik die "nasse" Farblösung auf das
getrocknete Papier aufgetragen wird. Das kann ein Papier sein, das zuvor in
der "Nass in Nass - Technik" behandelt wurde, oder man beginnt sofort in dieser
Technik.
Motiv und "Feinheiten":
Bei einem Bild, das schon in "Nass in Nass-Technik" und "Trocken auf Nass" gestaltet
wurde erfolgt jetzt das weitere Ausgestalten und die Darstellung von Feinheiten
wie z.B. Steine und Gräser.
4. "Trocken auf Trocken":
Wenn man mit "trockenem" Pinsel auf trockenem Papier malt, werden die Konturen
wie bei einer Zeichnung sehr scharf und genau abgegrenzt. Das ist der "letzte Schliff"
für Aquarelle mit einem naturnahen Vordergrund. Hier erhalten Bäume eine raue Borke,
Ackerböden und Wege erhalten ihre erdige oder steinige Struktur.
Hintergrund : vorher oder nachher ?
Viele Anfänger werden gerne sofort in dieser Technik beginnen, weil ihnen die "Nass
in Nass -Technik" zu aufwendig oder kompliziert erscheint. Sie beginnen sofort mit
dem Motiv und sind dann völlig frustriert, wenn es darum geht, den Hintergrund darzustellen.
Man Kann hierzu das Bild vorsichtig von der Rückseite nass machen und dann den Vordergrund
nachträglich in "Nass in Nass" darstellen. Dabei lauft man aber Gefahr, daß das
Motiv verwischt. Der Versuch, den Hintergrund um das Motiv zu malen lässt schnell
das unfachmännische Vorgehen erkennen und die Freude an der Aquarellmalerei ist
dahin.
Da man jederzeit einen "Nass in Nass " gemalten Hintergrund in "Nass auf Trocken"
weiter gestalten kann male ich oft nur "Hintergrund-Bilder", die dann irgendwann
weiter ausgestalten.
5. "Trocknen" und "Glätten" von Aquarellen:
Trocknen:
Das Trocknen von Aquarellen wird gerade bei der Nass - Nass - Technik oft
als ein Problem angesehen. Jedoch ist es eher eine Einstellung zum den spontanen
Prozess, der dahinter steckt.
Mit viel Erfahrung kann man zwar den eigentlichen Farbauftrag mehr oder weniger
gut kontrollieren und steuern. Doch dann vollzieht sich ein allmählicher Trocknungsprozess,
den man nicht mehr unter Kontrolle hat. Am liebsten möchte man das Bild in halb
trockenem Zustand konservieren, weil es gerade dann gut aussieht !
Man sollte jedoch das "Nass-Nass"-Malen ähnlich wie die chinesische Tuschmalerei
oder das japanische sumi-e als einen Vorgang sehen, bei dem wir als Mensch nur ein
Teil der gesamten Natur sind und daher sollten das fertige Ergebnis als naturgegeben
hinnehmen. Für den Anfänger ist dieses natürliche Verhalten des Materials sehr
irritierend; aber für den Perfektionisten ist es einfach unerträglich, daß
hier etwas abläuft, das er nicht voll und ganz beeinflussen kann.
Natürlich kann man mit einem Fön oder einer Warmhalteplatte oder anderen Tricks
eine schnellere Trocknung herbeiführen; aber das Unerwartete tritt trotzdem ein.
Es gilt einfach nur die Einstellung zu den Dingen anders zu sehen - als eine faszinierende
an der wir selbst schöpferisch teilhaben dürfen !
Das hört sich leicht an, ist aber unheimlich schwer !
Glätten:
Es bleibt nicht aus, daß sich Aquarelle mehr oder weniger wellen. Wer nicht von
Anfang an großzügig in der Nass-Nass - Technik arbeitet, muß damit rechnen,
daß sehr viele kleine Wellen entstehen, die sich ganz schlecht entfernen lassen.
Pressen (unter einem Stapel Büchern) empfiehlt sich nur bei sehr leichter Wellung.
Besser ist das richtige Bügeln oder feuchte Bügeln.
So wir es gemacht:
Das Papier mit dem Bild auf einen hellen, nicht färbenden Karton auflegen. Nun mit
mittlerer Temperatur vorsichtig von einer der Schalseiten aus bügeln. Ein Dampfbügeleisen
kann hilfreich sein. Notfalls hilft nur noch das richtige Wässern und Trockenbügeln
mit sanfter Temperatur.
6. "Lavieren" trockener Farbschichten:
Bereits trockene Farbschichten lassen sich je nach Qualität bzw. Zusammensetzung
(Bindemittel) mehr oder weniger leicht wieder anlösen. So kann man nachträglich
"scharfe" Abgrenzungen noch etwas "weicher" gestalten. Hierzu wird ein feuchter
(nicht allzu nasser !) Pinsel benutzt, um die Farben noch etwas zu verwaschen.
Oft ist as aber auch noch möglich, das Bild vor der Rückseite her zu befeuchten,
um dann die Vorderseite besser (ohne kleine Papierwellen) lavieren zu können. Hierbei
kann man auch nochmals farbige Lavierschichten vorsehen.
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