Helga Maria Scheller - Aquarellmalerei
Aquarelltechnik
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Die verschiedenen Aquarell Grundtechniken:

1. "Nass in Nass" :

Für die Darstellung des Hintergrundes (z.B.. Wolken) und für eine "verwaschene"  Darstellungsart kann man die "Nass in Nass"-Technik anwenden. Dabei wird die wässrige Farblösung auf das nasse (nicht tropfnasse!), oder mehr oder weniger feuchte Papier aufgetragen. Dadurch entstehen unscharfe, "verschwommene" Farbstrukturen ohne scharfe Abgrenzung. Hier hat man den wenigsten Einfluss auf das spätere (trockene) Aussehen des Bildes. Jedoch ist es sehr faszinierend, welche Formen und Strukturen hier entstehen. Ein wichtiger Vorteil  der Nass-Nass - Technik ist, daß sich das Papier weniger stark wellt, da alle Papierfasern gleichmäßig gewässert und gedehnt werden.

So geht man vor:
Bei geleimten Blöcken macht man nur die Oberseite des Blattes mit einem Flachpinsel nass, streift das Wasser mit dem ausgequetschten Pinsel nochmals ab und beginnt mit dem Farbauftrag.
Einzelblätter sind hier empfehlenswert. Diese kann man beidseitig wässern oder sogar im Wasser tauchen und je nach Papiersorte und Qualität mehr oder weniger lange weichen lassen. Das gewässerte Blatt am Besten auf eine helle Kunststoffunterlage legen, so tropft das Wasser gut ab. Nun beginnt man z.B. den Himmel zu malen, indem man einfach die späteren Wolken beim Auftragen der blauen Farbe auslässt. Es entstehen so feine, zarte Wolkenformationen. Durch mehr oder weniger kräftige oder wässrige Farbe und je nach Feuchtigkeitsgrad des Papiers lässt sich das spätere Ergebnis etwas besser vorbestimmen; jedoch bleibt immer noch jener überraschende Zufallseffekt erhalten.
Nun kann man im Trocknungsprozess mitlaufend zunächst mit einem etwas kräftigeren, aber immer noch dezenten  Farbauftrag z.B. die Berge im Hintergrund "modellieren".
mit immer kräftigeren Farben geht man nun immer weiter in den Vordergrund und malt so mit immer "trockner" Farbe z.B. die  Bäume, Felsen, Steine und kommt so im fließenden Übergang zur nächsten Technik .

2. "Trocken auf Nass" :

Wird mit "trockenem" Pinsel auf nasses Papier gemalt, ist der "Verwischeffekt"" nicht ganz so stark. Hier braucht man sehr viel Feingefühl und Übung für den Trocknungsgrad des Papiers und für die Feuchtigkeit der Farbe, denn "Trocken" heißt hier "Farbe mit wenig Wasser".  Bestimmte Effekte wie z.B. scharf abgegrenzte erdige, felsige Strukturen mit einem sanften, gleichfarbigen Hintergrund entstehen mit "sehr trockener" Farbe auf "nassem " Papier. Aquarell ist also eine sehr experimentierfreudige Art des Malens, die sehr viel Spielraum für das Erkunden "eigener Techniken" lässt. 
 

3. "Nass auf  Trocken" :

"Nass auf Trocken",  nennt man die Technik die "nasse" Farblösung auf das getrocknete Papier aufgetragen wird.  Das kann ein Papier sein, das zuvor in der "Nass in Nass - Technik"  behandelt wurde, oder man beginnt sofort in dieser Technik. 
Motiv und "Feinheiten":
Bei einem Bild, das schon in "Nass in Nass-Technik" und "Trocken auf Nass" gestaltet wurde erfolgt jetzt das weitere Ausgestalten und die Darstellung von Feinheiten wie z.B. Steine und Gräser.

4. "Trocken auf Trocken":

Wenn man mit "trockenem" Pinsel auf trockenem Papier malt, werden die Konturen wie bei einer Zeichnung sehr scharf und genau abgegrenzt. Das ist der "letzte Schliff" für Aquarelle mit einem naturnahen Vordergrund. Hier erhalten Bäume eine raue Borke, Ackerböden und Wege erhalten ihre erdige oder steinige Struktur.

Hintergrund : vorher oder nachher ? 
Viele Anfänger werden gerne sofort in dieser Technik beginnen, weil ihnen die "Nass in Nass -Technik" zu aufwendig oder kompliziert erscheint. Sie beginnen sofort mit dem Motiv und sind dann völlig frustriert, wenn es darum geht, den Hintergrund darzustellen. Man Kann hierzu das Bild vorsichtig von der Rückseite nass machen und dann den Vordergrund nachträglich in "Nass in Nass" darstellen. Dabei lauft man aber Gefahr, daß das Motiv verwischt. Der Versuch, den Hintergrund um das Motiv zu malen lässt schnell das unfachmännische Vorgehen erkennen und die Freude an der Aquarellmalerei ist dahin.
Da man jederzeit  einen "Nass in Nass " gemalten Hintergrund in "Nass auf Trocken" weiter gestalten kann male ich oft nur "Hintergrund-Bilder", die dann irgendwann weiter ausgestalten.

5.  "Trocknen" und "Glätten" von Aquarellen:

Trocknen:
Das Trocknen von Aquarellen wird gerade bei der Nass - Nass - Technik  oft als ein Problem angesehen. Jedoch ist es eher eine Einstellung zum den spontanen Prozess, der dahinter steckt.
Mit viel Erfahrung kann man zwar den eigentlichen Farbauftrag mehr oder weniger gut kontrollieren und steuern. Doch dann vollzieht sich ein allmählicher Trocknungsprozess, den man nicht mehr unter Kontrolle hat. Am liebsten möchte man das Bild in halb trockenem Zustand konservieren, weil es gerade dann gut aussieht !
Man sollte jedoch das "Nass-Nass"-Malen ähnlich wie die chinesische Tuschmalerei oder das japanische sumi-e als einen Vorgang sehen, bei dem wir als Mensch nur ein Teil  der gesamten Natur sind und daher sollten das fertige Ergebnis als naturgegeben hinnehmen. Für den Anfänger ist dieses natürliche Verhalten des Materials sehr
irritierend;  aber für den Perfektionisten ist es einfach unerträglich, daß hier etwas abläuft, das er nicht voll und ganz beeinflussen kann.
Natürlich kann man mit einem Fön oder einer Warmhalteplatte oder anderen Tricks eine schnellere Trocknung herbeiführen; aber das Unerwartete tritt trotzdem ein.
Es gilt einfach nur die Einstellung zu den Dingen anders zu sehen - als eine faszinierende an der wir selbst schöpferisch  teilhaben  dürfen !
Das hört sich leicht an, ist aber unheimlich schwer !
Glätten:
Es bleibt nicht aus, daß sich Aquarelle mehr oder weniger wellen. Wer nicht von Anfang an großzügig in der Nass-Nass - Technik arbeitet,  muß damit rechnen, daß sehr viele kleine Wellen entstehen, die sich ganz schlecht entfernen lassen. Pressen (unter einem Stapel Büchern) empfiehlt sich nur bei sehr leichter Wellung. Besser ist das richtige Bügeln oder feuchte Bügeln.
So wir es gemacht:
Das Papier mit dem Bild auf einen hellen, nicht färbenden Karton auflegen. Nun mit mittlerer Temperatur vorsichtig von einer der Schalseiten aus bügeln. Ein Dampfbügeleisen kann hilfreich sein.  Notfalls hilft nur noch das richtige Wässern und Trockenbügeln mit sanfter Temperatur.

6. "Lavieren" trockener Farbschichten:

Bereits trockene Farbschichten lassen sich je nach Qualität bzw. Zusammensetzung (Bindemittel) mehr oder weniger leicht wieder anlösen. So kann man nachträglich "scharfe" Abgrenzungen noch etwas "weicher" gestalten. Hierzu wird ein feuchter (nicht allzu nasser !)  Pinsel benutzt, um die Farben noch etwas zu verwaschen. Oft ist as aber auch noch möglich, das Bild vor der Rückseite her zu befeuchten, um dann die Vorderseite besser (ohne kleine Papierwellen) lavieren zu können. Hierbei kann man auch nochmals farbige Lavierschichten vorsehen.